Medientrainings 101

Fünf Lerneinheiten zur Medienkompetenz Diese Einheiten können alle zusammen an einem Tag oder einzeln als eigenständige Workshops stattfinden.

 

Grundlagen der Pressearbeit

  • Verstehen, wie Medien funktionieren und wie sie mit Storytelling eine Kampagne unterstützen können.
  • Was für Aktionen sind für die Medien interessant?
  • Wie schreibt man Pressemitteilungen mit aussagekräftigen Zitaten?
  • Und wie gibt man der Presse Interviews?

 

Lerneinheiten

Fünf Lerneinheiten zur Medienkompetenz Diese Einheiten können alle zusammen an einem Tag oder einzeln als eigenständige Workshops stattfinden. Bei Durchführung als einzelne Workshops empfehlen wir, mit dem für das Allgemeinverständnis hilfreichen Modul „Medien verstehen” anzufangen.

 

  1. Medien verstehen (1 Std.)

    Benötigte Materialien
    Vorstellungsrunde (5 Min.)
    Werte von Medienschaffenden (25 Min.)
    Beziehungsaufbau mit Medienschaffenden (30 Min.)

  2. Medienwirksame Aktionen (1,5 Std.)

    Benötigte Materialien
    Was nicht funktioniert: Was ist für die Presse uninteressant? (20 Min.)
    Die Aufbereitung einer Aktion (20 Min.)
    Die Verbesserung der Aktionslogik (30 Min.)
    Übung: Aktions-Ziehharmonika (20 Min.)

  3. Verfassen von Presseeinladungen/Pressemitteilungen (1,5 Std.)

    Benötigte Materialien
    Ablaufplan für die Medienansprache (30 Min.)
    Optional: Ad-hoc-Presseeinladung (15 Min.)
    Nachbereitung in der Gruppe: Presseeinladungen/Pressemitteilungen (20 Min.)
    Schlagkräftige Zitate und auffällige Überschriften (20 Min.)
    Darstellungsübung: Das Zeitungsspiel (15 Min.)
    Schlussrunde: Lernergebnisse (5 Min.)

  4. Presseansprache und einfache Interviews (1 Std. 45 Min.)

    Benötigte Materialien
    Übung: Eine Geschichte verkaufen (15 Min.)
    Rollenspiel: Geschichten verkaufen (25 Min.)
    Reflexion über Interviewtechniken anhand eines Videos (20 Min.)
    Rollenspiel: Interviews geben (30 Min.)
    Schlussrunde: Selbstreflexion (15 Min.)

  5. Einführung für Sprecher*innen (< 3,5 Std.)

    Benötigte Materialien
    Optional: Kurzvorstellungen (5–30 Min.)
    Optional: Schneeballspiel zum Auftakt (10 Min.)
    Was machen Sprecher*innen und was nicht? (20 Min.)
    Elemente einer aussagekräftigen Medienbotschaft (10 Min.)
    Stellungnahme für die Medien (20 Min.)
    Übung: Stellungnahme für die Medien (20 Min.)
    Aufzeichnung der Stellungnahme (45 Min.)
    Rollenspiel: Kurzes Interview (60 Min.)
    Schlussrunde: Lernergebnisse (5 Min.)

Arbeitsblatt: Was zu beachten ist und Feedback zu Interviews
Arbeitsblatt: Beispiele für Interviewfragen

 


1. Medien verstehen (1 Std.)

Benötigte Materialien

  • Haftnotizzettel
  • Flipchart und Marker
  • Arbeitsblätter

Vorstellungsrunde (5 Min.)

Jede Person nennt ihren Namen und etwas, was sie sich von diesem Workshop erwartet.

 

Werte von Medienschaffenden (25 Min.)

Es werden Dreiergruppen gebildet. Die Dreiergruppen sollen aus Personen bestehen, die sich nicht kennen (oder sich kennen).

Sie sollen über folgende Fragen nachdenken: „Aus welchen Gründen ergreift jemand eurer Meinung nach den Journalistenberuf?” Konzentriert euch für diesen Workshop speziell auf Publikumsmedien. Je nachdem, was die Gruppe macht und welche Ziele sie verfolgt, könnt ihr diese Frage auf Printmedien, TV, Blogs etc. eingrenzen.

Die Dreiergruppen haben 5 Minuten Zeit, um ein paar Antworten zu notieren. Dann treffen sich alle wieder im Plenum und tragen die Werte in einer Liste zusammen.

Anschließend wird über folgende Frage diskutiert: „Welche dieser Werte und Gründe stimmen ganz oder teilweise mit euren Werten überein?” Zu beachten ist, dass viele Presseleute diesen Beruf wählen, weil sie an eine aufgeklärte Öffentlichkeit glauben, weil sie die Demokratie schätzen oder sogar, weil sie so für mehr Gerechtigkeit eintreten können. Macht deutlich, dass nicht all ihre Werte mit euren übereinstimmen, aber betont die Gemeinsamkeiten.

Nun kehren alle wieder in ihre Kleingruppen zurück und sprechen über die Frage: „Und unter welchen Beschränkungen müssen Medienschaffende diese Werte umsetzen?” Oder anders gefragt: „Stellt euch vor, ihr arbeitet bei der Presse und macht euch diese Werte in hohem Maße zu eigen. Durch welche Arbeitsbedingungen im Zeitungswesen wird euch dies erschwert?”

Die Kleingruppen haben erneut 5 Minuten Zeit zur Diskussion.

Dann versammeln sich alle wieder zur Plenumsdiskussion. Geht dabei besonders auf Beschränkungen ein, mit denen sich eure Reporter*innen auseinandersetzen müssen (verteilt das Arbeitsblatt Journalismus verstehen). Dies ist ein guter Zeitpunkt für Gespräche und Geschichten über den Aufbau von Pressebeziehungen.

TIPP: Für diese Einheit genügend Zeit einplanen! Wenn wir die Geisteshaltung von Medienschaffenden verstehen, können wir uns besser in ihre Situation und ihre Schwierigkeiten hineinversetzen. Das ist gut für Gruppen, die entweder wenig über die Medien wissen oder nur Klischees im Kopf haben. Haben wir erst einmal verstanden, was die Medien brauchen, dann werden auch andere Dinge klarer – z. B. warum wir Medienschaffende vor der Aktion anrufen und Verständnis für das Tempo und den Stress in den Nachrichtenredaktionen aufbringen müssen.

 

Beziehungsaufbau mit Medienschaffenden (30 Min.)

Sagt: „Bislang haben wir die Sache aus der Perspektive der Presse betrachtet. Kehren wir nun zu uns als Aktivist*innen zurück. Auch wenn die Presseleute einige unserer Werte teilen, müssen wir immer damit rechnen, dass sie wegen ihrer Beschränkungen selbst dann nicht über unsere Aktionen berichten können, wenn sie zufällig genau derselben Meinung sind wie wir. Was also sollten wir eurer Meinung nach angesichts dieser Beschränkungen tun, damit die Medien über uns berichten?”

Es werden neue Dreiergruppen gebildet (die sich nicht kennen). Die Kleingruppen sollen folgende Frage beantworten: „Was also müssen Aktivist*innen tun, um mit der Presse zu kommunizieren? Was war für euch neu?” Die Gruppen schreiben ihre Antworten jeweils auf einen Haftnotizzettel. (Verteilt 2 bis 3 Haftnotizzettel an jede Gruppe.)

Sie haben dafür 5 Minuten Zeit.

Die Gruppen hängen ihre Haftnotizen auf und erläutern, was sie sich dabei gedacht haben. Dieser Zeitpunkt eignet sich gut, um Geschichten und Beispiele zu erzählen.

Geht die Liste durch. Geht auch auf die Punkte aus dem Papier Der Aufbau einer guten Pressebeziehung ein, soweit diese nicht zur Sprache kamen (oder besonders hervorgehoben werden sollten)..

Fragt im Plenum: „In dieser Liste geht es zum großen Teil darum, wie wir mit der Presse kommunizieren. Aber wo tun wir das?” Achtet darauf, dass folgende Punkte genannt werden: Pressemitteilungen, persönliche Gespräche, persönliche Treffen bei Veranstaltungen, gelegentliche Mittagessen/gemeinsame Freizeit. In dieser Einheit sollen die Teilnehmenden lernen, über den Tellerrand einer Pressemitteilung hinauszudenken und ein differenzierteres Bild vom Aufbau einer Pressebeziehung als eine organisierende Beziehung erhalten.

Arbeitsblatt Checkliste für die Pressearbeit.


2. Medienwirksame Aktionen (1,5 Std.)

Benötigte Materialien

  • Arbeitsblätter
  • Marker und Klebeband
  • Papier und Stifte (ausreichend für alle Teilnehmenden)

Was nicht funktioniert: Was ist für die Presse uninteressant? (20 Min.)

Erklärt: „Selbst die beste Medienansprache wird wahrscheinlich erfolglos bleiben, wenn wir keine interessante Geschichte zu bieten haben – und das ist für uns meistens unsere Aktion. Oft denken wir länger darüber nach, was wir auf unsere Transparente schreiben, als über die Aktion selbst. Sprechen wir zunächst darüber, wodurch eine Aktion für die Berichterstattung uninteressant wird.

Was macht eine Aktion, nach allem was wir über die Denkweise der Medien wissen, für die Presse uninteressant? Stellt eine Liste zusammen.

Achtet darauf, dass auf der Liste auch heikle Themen der Gruppe vertreten sind, z. B.:

  • Rituale (immer wieder die gleiche Aktion)
  • Optische Anreize fehlen (beim Radio: Akustische Anreize fehlen)
  • Nichts Aufregendes (man weiß schon, was passiert, bevor die Aktion überhaupt begonnen hat)
  • Langweilig

Fragt jeweils nach Beispielen. Erzählt auch von eigenen Aktionen, an denen ihr teilgenommen habt, die für die Medien belanglos waren! Und zeigt Mitgefühl: Räumt ein, dass manche Probleme wirklich akut und dennoch für die Medien unattraktiv sein können – das ist schlimm, aber so ist es nun mal.

„Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie wir eine Aktion für die Presse attraktiver machen können: Die Aktion besser verkaufen oder sie entweder nachbessern oder ganz anders aufziehen.   Manchmal können wir an einer schlechten Aktion nichts mehr ändern und müssen sie den Medien irgendwie schmackhaft machen, aber wenn es uns vor allem um die Medien geht, dann ist es am besten, diese bei der Planung der Aktion stets im Blick zu behalten. Im Normalfall bedeutet das, sich nicht nur eine einzelne Aktion, sondern eine ganze Geschichte auszudenken. Aber lasst uns beides erst mal üben.”

Die Aufbereitung einer Aktion (20 Min.)

Bereitet für diese Übung entweder selbst ein Beispiel vor oder lasst die Gruppe eines beisteuern. Etwa: „Eine Gruppe von 20 Studierenden führt ihre erste öffentliche Aktion im Rahmen einer Divestment-Kampagne durch. Sie wollen ihre Uni dazu bringen, zu deinvestieren und marschieren deshalb mit ihren Zielen über den Campus zum Büro des Universitätspräsidenten.” Tragt dies so simpel und langweilig wie irgend möglich vor.

Erklärt, dass an der Aktion selbst nichts zu ändern ist und die Gruppe deshalb andere Möglichkeiten finden muss, sie der Presse schmackhaft zu machen. Die Teilnehmenden haben 30 Sekunden Zeit, jeweils für sich darüber nachzudenken, wie sie die Aktion so aufbereiten könnten, dass die Bedürfnisse der Publikumsmedien so gut wie möglich abgedeckt werden. Wenn ihr mehr Informationen braucht, geht von plausiblen Annahmen aus.

Dann besprechen die Teilnehmenden ihre Idee in Zweiergruppen mit der Person, die neben ihnen sitzt.

Ermuntert sie nach ein paar Minuten, kreativ zu werden: „Denkt euch noch andere Möglichkeiten aus, die Aktion interessant zu machen, auf die die übrigen Anwesenden vermutlich nicht gekommen sind.” Gebt ihnen dafür noch ein paar Minuten länger Zeit.

Fragt im Plenum: „Was ist euch eingefallen?” Versucht, die verschiedenen Strategien, mit denen die Aktion interessant gemacht wurde, jeweils zu bezeichnen (z. B. mit Superlativen wie „Erste” oder durch Verknüpfung mit einem globalen Kontext oder anhand historischer Vorbilder). Haltet diese auf einem Flipchart fest. Gebt dem Flipchart einen Titel: „Wie Aktionen medienfreundlicher werden”

Nachdem alle Ideen ausgetauscht sind, fragt: „Wie könnten wir diese Liste noch erweitern?” Schlägt jemand vor, die Aktion so zu verändern, dass sie spannender wird, dann nutzt dies als Überleitung zum nächsten Schritt.

(Diesen Abschnitt offen halten, denn es gibt noch einen zweiten Teil.)

Die Verbesserung der Aktionslogik (30 Min.)

Neue Frage: Okay, wie wäre es, wenn wir die Aktion etwas aufpeppen könnten? Was könnten wir sonst noch tun? Die Teilnehmenden arbeiten wieder in ihren ursprünglichen Zweiergruppen und überlegen, wie die Aktion so abgewandelt werden kann, dass sie für die Medien interessanter wird. Gebt ein eigenes Beispiel oder lasst die Gruppe eines finden.

Bittet die Teilnehmenden nach 5 Minuten, ihre Ideen zusammenzutragen.

Wendet euch wieder dem Flipchart zu: „Wie können wir unsere Liste jetzt erweitern?” Ergänzt die Liste um weitere Änderungen.

Erläutert, dass eine starke „Aktionslogik” ein wichtiger Bestandteil interessanter Aktionen ist. Verteilt das Arbeitsblatt und lest es entweder vor oder beschreibt die einzelnen Punkte.

Geht das Flipchart und die Ideen der Gruppe noch einmal durch.

Übung: Aktions-Ziehharmonika (20 Min.)

Verteilt das Arbeitsblatt: So machen eure Aktionen SCHLAGZEILEN. Lest das Arbeitsblatt laut vor, wenn genügend Zeit zur Verfügung steht oder lasst die Teilnehmenden selbst lesen. Fragt, ob es zu einzelnen Methoden – oder anderen, die zur Sprache kamen – noch Fragen gibt.

Die Aktions-Ziehharmonika .

Erklärt: „Nun könnt ihr üben! Und zwar folgendermaßen: Schreibt ganz oben auf den Zettel eine Aktion, die ihr den Medien schmackhaft machen sollt – entweder eine echte, von der ihr wisst oder eine mögliche. Nennt genügend Einzelheiten, sodass allen Anwesenden die Aktion samt Kontext klar ist. Denn als Nächstes wird das Papier weitergereicht und jede Person schreibt eine Möglichkeit auf, entweder die Aktion der Presse zu verkaufen oder sie aufzupeppen.”

Jede Person tauscht ihren Zettel mit dem von jemand anderem.

Alle lesen die Beschreibung am oberen Rand und schreiben unten auf den Zettel eine Idee, wie die Aktion verkauft oder aufgepeppt werden könnte, sodass sie für die Medien interessant wird. Vielleicht wissen wir nicht genug, um sicher zu sein, aber durch die Übung kann eine Idee zu anderen guten Ideen führen. Als Letztes wird der untere Rand des Zettels so gefaltet, dass der eigene Vorschlag unsichtbar wird (wie eine Ziehharmonika). Dann tauschen jeweils zwei Gruppenmitglieder ihre Zettel aus.

Spielt mindestens 6 oder 7 Runden. Dann bekommen die ursprünglichen Verfasser*innen ihre Zettel wieder zurück. In Kleingruppen werden folgende Fragen diskutiert: Gibt es besonders tolle Ideen? Wie war es, sich verschiedene Möglichkeiten auszudenken?

Schließt die Einheit mit einem Lob für die Gruppe ab.


3. Verfassen von Presseeinladungen/Pressemitteilungen (1,5 Std.)

Benötigte Materialien

  • Arbeitsblätter
  • Flipchart und Marker
  • Ein Stapel verschiedener Zeitungen
  • OPTIONAL, UM ZEIT ZU SPAREN: Die Teilnehmenden bringen Beispiele von Pressemitteilungen/Presseeinladungen mit, die sie verfasst haben.

Ablaufplan für die Medienansprache (30 Min.)

Erklärt: „Ein Problem, das die Wirksamkeit der Medien einschränkt, ist Zeit – sie stehen ständig unter Druck, den nächsten Artikel zu schreiben oder die Aufnahme für die nächste Nachrichtensendung zu organisieren. Berücksichtigen wir dies in unseren Überlegungen über einen Ablaufplan für die Medienansprache.”

In Kleingruppen: Welches sind die entscheidenden Mittel und Wege, um die Medien vor, während und nach einer Aktion anzusprechen? Die Teilnehmenden haben für ihre Antworten drei Minuten Zeit.

Fragt, was ihnen dazu eingefallen ist. Nennt Beispiele oder bestätigt wichtige Informationen, die von den Teilnehmenden kommen.

Arbeitsblatt: Presseeinladungen und Pressemitteilungen. Die Teilnehmenden haben einige Minuten Zeit, um über die Vorschläge auf dem Arbeitsblatt nachzudenken. Sprecht über einzelne Punkte (wie etwa: Warum sollten Reporter*innen mehrere Tage im Voraus informiert werden? Warum sollte man sie am Tag vor einer Aktion anrufen?).).

Gehen wir das Arbeitsblatt durch: Was ist eine Presseeinladung und was eine Pressemitteilung? Lest die erste Seite des Arbeitsblatts laut vor (oder lasst sie von jemandem vorlesen).   Beantwortet zunächst Fragen dazu.

„Dieser Ablaufplan hilft uns auch beim Schreiben einer Presseeinladung. Wir schreiben, um sie zu ködern – genug, um sie zum Kommen zu animieren. Üben wir das mal.”

Optional: Ad-hoc-Presseeinladung (15 Min.)

(Statt im Workshop schreiben zu lassen, könnt ihr auch einige Teilnehmende bitten, euch vorab Presseeinladungen und Pressemitteilungen zukommen zu lassen.)

Erklärt: Wir werden uns zusammen Presseeinladungen ansehen. Dafür müssen wir erst welche erstellen. Also überlegt euch eine Aktion, die demnächst stattfinden soll und nehmt euch dann zehn Minuten Zeit, um eine Presseeinladung dazu zu schreiben. Wenn es leichter fällt, könnt ihr euch mit anderen zusammentun.

Die Teilnehmenden haben 15 Minuten Zeit zum Schreiben. Kein Problem, wenn die Zeit zu kurz ist – dies ist auch eine gute Übung für schnelles und effizientes Schreiben. Und der Text kann später noch optimiert werden.

Nachbereitung in der Gruppe: Presseeinladungen/Pressemitteilungen (20 Min.)

Bittet Freiwillige, ihre Presseeinladung dem „Journalisten” oder der „Journalistin” vorzulegen (wenn möglich einem Profi, ansonsten euch oder jemandem mit umfangreicher Fachkompetenz).

Der Profi liest die Presseeinladung laut vor und sagt unmittelbar, was darin interessant ist und welche Reaktionen sie auslöst.

Es folgt eine Auswertung im Plenum, wobei die anderen ihre Fragen stellen können. Dies ist eine sehr gute Möglichkeit, um die Teilnehmenden zu coachen und ihnen entscheidende Tipps zu geben, wie man wirksame Presseeinladungen (oder Pressemitteilungen, wenn jemand welche mitgebracht hat) verfasst. Unter anderem:

  • Fasst euch kurz und beschränkt euch auf eine Seite.
  • Macht euch die meisten Gedanken über die Formulierung einer perfekten Überschrift und des ersten Absatzes – ihr habt nur wenige kostbare Sekunden, um zu sagen, wer ihr seid und warum es sich lohnt, weiterzulesen. Wer, was, wann und wo? Dies alles muss bis zum Ende des ersten Absatzes klar sein.
  • Baut Zahlen und aussagekräftige Zitate ein.
  • Achtet auf korrekte Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik.

Macht diese Übung mindestens dreimal.

Schlagkräftige Zitate und auffällige Überschriften (20 Min.)

Die Teilnehmenden bilden Dreiergruppen mit anderen, die sie nicht besonders gut kennen.

Erklärt: „Wer bessere Texte schreiben will, muss lernen, gute Aufhänger und prägnante Zitate zu finden. Wie bekommt man ein Gefühl dafür, was die Medien bringen werden? Indem man nachsieht, was sie bringen!”

Legt einen Stapel Zeitungen auf den Tisch.

Erklärt: „Alle bekommen jeweils eine Zeitung von mir. Seht sie euch an und schreibt euch interessante Sätze, Zitate oder auffällige Überschriften heraus. Das muss überhaupt nichts mit eurer Arbeit zu tun haben – wir suchen erst mal nur nach Dingen, die es in die Zeitung schaffen. Dann denken wir darüber nach.”

Die Teilnehmenden haben 7 Minuten Zeit, sich in die Zeitungen zu vertiefen und sich Sätze, Zitate oder Überschriften zu notieren. Ermuntert sie, möglichst viele verschiedene zu suchen.

„Was habt ihr gefunden?” Die Teilnehmenden besprechen ihre Aufzeichnungen in den Kleingruppen. Dabei sollen sie überlegen, welche Schlüsse sie daraus ziehen könnten.

Die Teilnehmenden besprechen im Plenum, was sie über einprägsames Schreiben (einschließlich des Verfassens von Zitaten) gelernt haben. Lasst sie zuerst darüber nachdenken, wie das mit den Zitaten funktioniert. Was man über Zitate lernen kann:

  • Ein Zitat sollte einen genau definierten Zweck haben (und nicht die ganze Aktion neu formulieren).
  • Dynamische und alltägliche Sprache verwenden (Zitate sollten nicht konstruiert klingen, sondern wie Ausschnitte aus einem normalen Gespräch. Fachsprache ist zu vermeiden).
  • Jeder Satz sollte für sich zitierbar sein und eure Intention vermitteln.
  • Ausdrucksstark und aufrüttelnd formulieren, mit Worten, die im Gedächtnis bleiben.
  • Vor der Verwendung von Zitaten die Genehmigung der Urheber*innen einholen!

Denkt über die gefundenen Überschriften nach. Strategien für auffällige Überschriften:

Darstellungsübung: Das Zeitungsspiel (15 Min.)

Erklärt: „Wer Nachrichten liest, kann die eigenen Schreibfähigkeiten und die Zusammenarbeit mit den Medien verbessern. Eine weitere Fähigkeit besteht darin, bei der Darstellung unseres Themas flexibler zu werden. Diese Übung soll uns helfen, unsere Aktionen geschmeidiger mit Problemen zu verknüpfen, die von den Medien bereits aufgegriffen wurden, denn Medien haben immer wiederkehrende Themen. Manchmal können wir eine Geschichte interessant machen, weil sie mit einem anderen Thema zu tun hat, über das sie ohnehin schon berichten.”

In jeder Kleingruppe wählt eine Person einen Zeitungsartikel aus und liest die Überschrift und einen Teil des Artikels laut vor. Dann soll die Gruppe verschiedene Möglichkeiten finden, über ihr Thema zu sprechen, indem sie es direkt mit dem Artikel verknüpft.

Diese Übung ist nicht ganz einfach und erfordert anfänglich vielleicht etwas Hilfestellung. Es kommt darauf an, keine Brücken zu benutzen, sondern die Probleme tatsächlich so sinnvoll wie möglich miteinander zu verknüpfen. Unsere Themen mit anderen verknüpfen zu können, ist eine gute Fähigkeit für die Arbeit in einer Organisation und sie hilft auch bei den Medien, unsere Geschichte mit bereits etablierten medialen Erzählsträngen zu verbinden. Und selbst wenn wir Geschichten nicht auf diese Weise verkaufen, lernen wir so, in Interviews mit der Presse geschickter und flexibler zu agieren.

Ein Organisator schreibt: „Durch die Zeitungsspiele lernten wir, unser Thema besser mit allem und jedem zu verknüpfen – und unsere Leute zu politisieren, damit auch sie Verknüpfungen zu anderen Problemen herstellen konnten.”

Die Übung sollte mindestens 8 Minuten dauern. Im Anschluss sollten in einer kurzen Nachbereitung die Lernergebnisse zusammengefasst werden.

Schlussrunde: Lernergebnisse (5 Min.)

Schlussrunde für diese Übung: Alle Teilnehmenden formulieren ihre Lernergebnisse als Zeitungsüberschrift und stellen sie vor.


 

4. Presseansprache und einfache Interviews (1 Std. 45 Min.)

TIPP: In einer informellen Umfrage unter den Beschäftigten von 350.org stellte sich heraus, dass viele keine Pressemitteilungen schreiben und dennoch über sie berichtet wird. Wie geht das? Indem sie Beziehungen mit der Presse aufgebaut haben und zu einer vertrauenswürdigen Quelle wurden, von der ein Anruf genügt, damit sie kommt.

TIPP: Zieht wenn möglich eine*n Reporter*in zu dieser Übung hinzu. Er oder sie kann das Interview führen und direkt Feedback auf der Grundlage der eigenen Erfahrung geben. Dies kann eure Beziehungen zu dieser Person stärken und das Feedback ist viel konkreter. (Bei uns waren Presseleute dabei, die sich noch nie zuvor mit unserem Thema befasst hatten, von da an aber darüber berichteten!)

Benötigte Materialien

  • Arbeitsblätter
  • Flipchart und Marker
  • Laptop, um einen Videoclip zu zeigen
  • Papier und Stifte (für alle Teilnehmenden)

Übung: Eine Geschichte „verkaufen” (15 Min.)

Erklärt mit Begeisterung in der Stimme: „Fangen wir einfach mal an, den Medien Geschichten zu verkaufen!” Stellt zwei Stühle Lehne an Lehne so auf, dass sie für alle gut sichtbar sind.

Die Teilnehmenden überlegen, welche Aktionen in ihrer Kampagne gerade anstehen. „Wer will mal üben, wie man Presseleute anruft und informiert? Sagen wir, ihr habt eine Pressemitteilung geschickt und die Aktion soll morgen stattfinden – ihr wollt wissen, ob die Person interessiert ist und kommen will.”

Eine freiwillige Person setzt sich auf einen der Stühle, um die Aktion zu verkaufen. Ist kein Profi anwesend, dann bittet jemanden mit Presseerfahrung, im Rollenspiel eine/n wohlmeinende/n Pressevertreter*in zu spielen. Diese Person setzt sich auf den zweiten Stuhl

und wird dann von der ersten Person angerufen. Die anderen aus der Gruppe hören zu.

Direkt im Anschluss daran wird besprochen, wie das Telefongespräch gelaufen ist. Was hat gewirkt? Betont die positiven Aspekte des Gesprächs. Was könnte noch optimiert werden? Fragt nach dem Feedback der freiwilligen Person, des Pressevertreters und denen, die zugehört haben. Dabei sollte auf folgende Punkte eingegangen werden:

  • Als Erstes fragen, ob die angerufene Person einen Moment Zeit hat (es ist sinnlose Zeitverschwendung, wenn jemand keine Zeit hat)
  • Sich selbst vorstellen
  • Darauf vorbereitet sein, die Aktion in klaren Worten zu beschreiben
  • Frühzeitig „Aufhänger” liefern (oder Gründe, warum die Aktion interessant ist)
  • Authentisch sein – und sich als Persönlichkeit zeigen (ihr baut eine berufliche Beziehung auf)
  • Fragen, ob jemand zu der Veranstaltung kommt

Rollenspiel: Geschichten verkaufen (25 Min.)

Für diese Übung stellen sich alle in einer Zweierreihe auf:

Die Teilnehmenden stellen sich paarweise hintereinander. Wer links (oder rechts) steht, ist von der Presse. Wer auf der anderen Seite steht, muss ihm oder ihr eine Aktion schmackhaft machen.

Erklärt: „Dies ist das dritte Mal, dass ihr diese Person von der Presse anruft. Beim ersten Mal wurde nicht über euch berichtet, dafür aber bei eurer letzten Aktion vor zwei Wochen. Jetzt geht es um eine neue Aktion, die demnächst stattfinden soll, nämlich … (setzt eine reale Aktion ein, die eure Gruppe eventuell durchführen will). Ihr ruft an, um festzustellen, ob diese Person Interesse hat und kommen will. Denkt daran, dass Presseleute viel zu tun haben und dass ihr eine Beziehung mit ihnen aufbauen wollt.”

Fragt nach, ob die jeweilige Rolle klar ist – und gebt das Startsignal. Beendet die Übung nach etwa sechs Minuten, bevor die Energie nachlässt.

Bei einer kurzen Nachbereitung im Plenum und einer Zusammenfassung der Lernergebnisse können sich die Teilnehmenden erholen.

Dann werden die Rollen getauscht und die Übung beginnt von vorn.

Zur Auswertung versammeln sich alle im Plenum. Denkt daran, dass die Teilnehmenden auch lernen sollen, mit der Presse zu reden. Erzählt Beispiele und Geschichten aus eurem persönlichen Erfahrungsschatz.

Arbeitsblatt: Journalismus verstehen

Reflexion über Interviewtechniken anhand eines Videos (20 Min.)

Zeigt auf dem Laptop einen Videoclip mit einem Sprecher oder einer Sprecherin einer Aktivistenorganisation. Die Gruppe sieht sich das Video an (Dauer unter 10 Minuten). Verwendet, wenn möglich, ein gutes Beispiel aus eurem lokalen Kontext, oder etwa:

Nach dem Interview: Die Teilnehmenden besprechen paarweise, was gut funktioniert hat. Was hat den größten und was den geringsten Eindruck gemacht? Was war am überzeugendsten? Wie haben die beiden kommuniziert?

Erstellt eine Liste: „Medieninterviews – was funktioniert?” Erzählt noch andere Geschichten. Hebt zum Schluss die Lernergebnisse hervor.

Verteilt das Arbeitsblatt: Gute Interviews geben: die Grundlagen Geht besonders auf jeden Punkt des Arbeitsblatts ein, der zuvor nicht zur Sprache kam, einschließlich der ABC-Methode:

  1. Aufgreifen der Frage
  2. Brücke schlagen
  3. Content (Botschaft)

Die ABC-Methode eignet sich für die Beantwortung von Fragen, die von der eigenen Botschaft wegführen. Man greift die Frage auf und schlägt dann eine „Brücke”, um auf das eigene Anliegen zurückzukommen, zum Beispiel so:

  • „Das ist sicher ein Problem, was die Menschen aber noch mehr beschäftigt, ist …”..”
  • „Einige sehen das so, doch unsere Forschungen zeigen, dass …”
  • „Ja, über dieses Thema wird noch lange diskutiert werden, heute geht es vor allem um …”
  • „Das ist eine Sicht der Dinge, wir müssen aber sehen, wie dies ins Gesamtbild passt …”

„Üben wir das!”

Rollenspiel: Interviews geben (30 Min.)

Auch diese Übung funktioniert mit Zweierreihen:

Die Teilnehmenden stellen sich paarweise hintereinander. Wer links (oder rechts) steht, ist von der Presse. Die jeweils andere Person gibt ein Interview. Das Interview dauert 5 Minuten.

Erklärt: „Liebe Reporterinnen und Reporter, ihr seid wohlgesonnen, aber ihr habt keine Ahnung vom Klimawandel. Ihr arbeitet für eine Zeitung und sollt einen längeren Artikel schreiben. Ihr sucht nach interessanten Zitaten und plant das Ganze als Debatte über die lokale Wirtschaft und die Frage, ob sie sich eine Klimapolitik leisten kann. Ihr anderen seid diejenigen, die nach der im letzten Rollenspiel beschriebenen Aktion interviewt werden. Was ist eure Botschaft? Was ist euer Anliegen? Macht euch bereit.”

Fragt nach, ob die jeweilige Rolle klar ist – und gebt das Startsignal. Die Übung dauert 5 Minuten. Dann gebt das Zeichen zum Abbruch.

Bei einer kurzen Nachbereitung im Plenum und einer Zusammenfassung der Lernergebnisse können sich die Teilnehmenden erholen. Fragt: Wie war dieses Interview? Wie habt ihr es geschafft, wenigstens einigermaßen bei eurer Botschaft zu bleiben? Fragt die Reporter*innen: Wurde die ABC-Methode geschickt eingesetzt?

Tauscht die Rollen und wiederholt die Übung. Dann setzen sich alle zur Nachbereitung ins Plenum. Denkt daran, dass die Teilnehmenden auch lernen sollen, mit der Presse zu reden. Erzählt Beispiele und Geschichten aus eurem persönlichen Erfahrungsschatz. Geht auf einzelne Punkte ein: kurze Sätze, persönliche Beispiele, Körpersprache, kein Fachjargon, lebensechte, konkrete Formulierungen. Arbeitsblatt: Gute Interviews geben: die Grundlagen.

Schlussrunde: Selbstreflexion (15 Min.)

Verteilt Papier. Alle Anwesenden sollen rasch ein Bild von sich zeichnen. Dann sollen sie auf dasselbe Blatt schreiben, wo ihre Stärken bei der Zusammenarbeit mit der Presse und in Interviews liegen – Stärken, die sie bereits von sich kennen, aber auch solche, die sie in dieser Einheit neu gelernt haben.

Rundum nennen alle eine neue Sache, die sie hinsichtlich ihrer eigenen Fähigkeiten erkannt haben.


 

5. Einführung für Sprecher*innen (< 3,5 Std.)

TIPP: Zieht, wenn möglich, einen Presseprofi zu dieser Übung hinzu. Er oder sie kann das Interview führen und direkt Feedback auf der Grundlage der eigenen Erfahrung geben. Dies kann eure Beziehungen zu dieser Person stärken und das Feedback ist viel konkreter. (Bei uns waren Presseleute dabei, die sich noch nie zuvor mit unserem Thema befasst hatten, von da an aber darüber berichteten!)

(Ihr könnt hier auch die vorherigen Einheiten und Rollenspiele zu einfachen Interviews mit einbauen.)

Benötigte Materialien

Genügend Aufzeichnungs- und Betrachtungsmöglichkeiten für jeweils 5 Personen (für 20 Personen z. B. braucht ihr 4 Kameras und 4 Laptops, auf denen man Videos ansehen kann). Wenn ihr also mehr als fünf Personen seid, teilt ihr euch für die Aufzeichnungen und das Betrachten der Videos in Kleingruppen auf.

  • Kamera (oder Smartphone) und Stativ (oder eine andere feste Halterung für die Aufzeichnung)
  • Laptop (oder etwas anderes, um die Kameraaufzeichnungen anzusehen – ggf. auch Kartenleser oder Kabel, um die Aufzeichnung auf den Computer zu übertragen)
  • Arbeitsblätter
  • Flipchart und Marker

 

Optional: Kurzvorstellungen (5–30 Min.)

Wird diese Übung zu Beginn eines Workshops durchgeführt, bei dem sich die Gruppenmitglieder noch nicht kennen, dann beginnt mit einer einminütigen Kurzvorstellung. „Ihr habt jeweils eine Minute, euch vorne hinzustellen und euch der Gruppe vorzustellen. Ihr dürft alles sagen, was ihr wollt und ihr könnt euch in jeder beliebigen Reihenfolge vorstellen. Die Zeit wird gestoppt und ihr bekommt gesagt, wann die Minute vorbei ist.” Fragt nach, ob das alle verstanden haben – auch, dass es nicht reihum geht und die Einzelnen daher entscheiden müssen, wann sie selbst nach vorn gehen (also nicht etwa in der Reihenfolge, in der sie im Kreis stehen oder sitzen).

Stellt oder setzt euch ganz nach hinten und wartet, bis die erste Person nach vorn geht. Stoppt bei jeder Kurzvorstellung die Zeit. Stellt euch auch selbst vor, nachdem die letzte Person dran war.

Achtet genau auf die Zeit: Versucht jemand, früher aufzuhören, erinnert daran, dass sie eine ganze Minute haben, um vor der Gruppe zu sprechen.

Die Teilnehmenden sprechen paarweise über ihre Reaktionen: Wie war das für euch?

Fragt im Plenum nach einigen Reaktionen. Die Teilnehmenden sollen erzählen, wie sie sich selbst wahrgenommen haben, unter anderem: Was war es für ein Gefühl, vor den anderen zu stehen? Wie war das mit der Zeit? Wie war es zu improvisieren? Haben sie sich unter Druck gefühlt? Erklärt, dass wir als Sprecher*innen diese Fähigkeiten entwickeln müssen.

Optional: Schneeballspiel zum Auftakt (10 Min.)

(Diese Einheit ist ein guter Auftakt für Gruppen, die nur noch im „Aktivistenjargon” sprechen und vielleicht nicht in der Lage sind, mit normalen Leuten zu reden, die mit dem Thema nicht vertraut sind.)

Gebt zunächst jeder Person einen Zettel

mit der Anweisung: „Schreibt auf diesen Zettel einige eurer Lieblingsargumente, wenn ihr mit anderen Aktivist*innen bis spät in die Nacht über den sozialen Wandel diskutiert. Das kann direkt mit eurer Kampagne zu tun haben oder es kann um Veränderung ganz allgemein gehen.”

Gebt ihnen ein paar Minuten Zeit, um pro Zettel ein Argument zu notieren. Wer mehrere Argumente hat, kann sich weitere Zettel nehmen (ermuntert sie dazu). Lasst nicht zu, dass zu lange darüber nachgedacht wird.

DANN knüllen alle ihre Zettel zusammen und bewerfen sich gegenseitig damit! „Schneeballschlacht!”

Beendet die Übung mit den Worten: „Wenn wir Interviews geben – umso mehr bei schwierigen Interviews – dürfen wir nicht vergessen, dass Menschen von unterschiedlichen Werten ausgehen und in verschiedenen Kontexten arbeiten. Wir können keine Abkürzungen benutzen. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass die Werte unserer Aktivismuskultur geteilt werden. Wir müssen uns auf allgemeinere Werte beziehen – und lernen, anders zu sprechen. Dies ist ein Lebensstil und der lässt sich am besten umsetzen, indem wir uns regelmäßig mit Leuten außerhalb unseres eigenen Dunstkreises unterhalten. In diesem Workshop bekommt ihr dazu weitere Tipps.”

Was machen Sprecher*innen und was nicht? (20 Min.)

Willkommen zu dieser Einheit über die Funktion eines Sprechers oder einer Sprecherin. Denken wir darüber nach, was das bedeutet: Was sollten Sprecher*innen tun? Bittet um ein paar Reaktionen und schreibt sie auf. Und was sollten Sprecher*innen nicht tun? Bittet um weitere Reaktionen und notiert sie ebenfalls.

Ergänzt beide Listen um weitere Punkte. Achtet darauf, dass folgende Dinge genannt werden:

  • Sprecher*innen sollten nur für die Organisation/Bewegung sprechen.
  • Sprecher*innen sollten Leidenschaft mitbringen.
  • Sprecher*innen sollten keine hypothetischen Fragen beantworten.
  • Sprecher*innen sollten nicht über Dinge reden, von denen sie nichts verstehen.

Bedankt euch für die genannten Punkte. „Und es gibt noch etwas, was Sprecher*innen tun: Sie verbreiten ihre Medienbotschaft! Also lasst uns mal kurz darüber nachdenken.”

Elemente einer aussagekräftigen Medienbotschaft (10 Min.)

Die Moderation beginnt mit dem Beispiel einer Stellungnahme vor der Presse (zum Beispiel die Erläuterung einer Aktion oder die Veröffentlichung eines neuen Berichts). Bittet die Teilnehmenden, laut zu sagen, was eine aussagekräftige Medienbotschaft ausmacht. Dabei sollten folgende Punkte nicht fehlen:

  • Sie sollte nicht auf der Darstellung eurer Gegner aufbauen, sondern auf eurer eigenen.
  • Sie sollte nach dem Schema „Problem/Lösung/Aktion” strukturiert sein – und das Problem (d. h. die Erde heizt sich auf oder die Vereinbarungen von Paris werden nicht eingehalten), euren Lösungsvorschlag (d. h. Divestment) und die Aktion, zu der ihr auffordert (d. h. Briefe schreiben oder anrufen, um Druck zu machen), genau definieren.

(Siehe weitere Tipps im Arbeitsblatt Gute Interviews geben für Fortgeschrittene.))

Stellungnahme für die Medien (20 Min.)

Nun sollen sich alle eine Situation vorstellen, die in ihren Kampagnen auftreten könnte und eine kurze Stellungnahme von 20 bis 30 Sekunden für die Medien dazu verfassen. Diese soll

  • ihre Position deutlich machen,
  • sie begründen,
  • sie illustrieren und
  • mit einer Schlussfolgerung, einer Forderung oder einem Ausblick enden.

Beispiel: „Mit dem Nobelpreis werden die größten Errungenschaften der Menschheit für die Menschheit ausgezeichnet. Doch die Nobelstiftung investiert in Unternehmen, die uns in ein irreversibles Klimachaos stürzen. (Problem) Man kann nicht wissenschaftliche Fortschritte auszeichnen und zugleich ein Unternehmen wie Exxon unterstützen, das jahrzehntelang alles unternommen hat, um die Klimaforschung zu behindern. Die Nobelstiftung sollte aufhören, in die Kohle-, Öl- und Gasindustrie zu investieren. (Lösung) Deshalb fordern wir die Nobelstiftung auf, ihre Gelder aus fossilen Brennstoffen abzuziehen. (Aktion)

Die Teilnehmenden bereiten jeweils für sich ihre Stellungnahmen vor – 10 Minuten.

 

Übung: Stellungnahme für die Medien (20 Min.)

„Lasst uns die Stellungnahmen erst mal üben, bevor ihr sie aufzeichnet.”

Die Teilnehmenden tun sich jeweils zu zweit zusammen. Beide tragen sich gegenseitig ihre Stellungnahme vor. Sie geben einander Feedback über Inhalt und Vortrag.   In der Nachbereitung im Plenum können Fragen gestellt und die Lernergebnisse zusammengefasst werden.

Dies ist ein guter Zeitpunkt für persönliches Coaching durch Beispiele und Geschichten.

 

Aufzeichnung der Stellungnahme (45 Min.)

Die Teilnehmenden zeichnen ihre Stellungnahme auf (jeweils einzeln in einem separaten Raum. Die anderen warten so lange draußen). Diejenigen, die draußen stehen, können inzwischen weiter an ihren Stellungnahmen arbeiten und sich dabei gegenseitig unterstützen/coachen.

Die Teilnehmenden sollen bei der Aufnahme zu den Presseleuten sprechen (statt in die Kamera zu schauen). Es sind mehrere Versuche erlaubt.

Schaut euch die Aufnahmen an und gebt Feedback – 5-10 Minuten pro Person oder je nach zur Verfügung stehender Zeit. Je nach technischer Ausrüstung kann dies auch in Kleingruppen stattfinden.

Fragt die interviewte Person, was sie daran gut fand, was sie gut gemacht hat. Auch wenn es einigen möglicherweise leichter fällt, zu kritisieren, was sie nicht gut gemacht haben, solltet ihr sie ermuntern, sich an das zu halten, was gut funktioniert hat. Auch die anderen sollen sagen, was ihnen gefallen hat. Gebt weitere wichtige Rückmeldungen, die bis dahin nicht zur Sprache kamen (siehe unten: Dinge, auf die beim Feedback zu den Interviews geachtet werden sollte).

Wiederholt das gleiche Verfahren mit der Frage, was sie besser machen könnten.

Geht nach der Feedback-Runde auf einige wichtige Lernergebnisse und Rückmeldungen ein und schließt mit einer positiven Bemerkung ab.

Verteilt das Arbeitsblatt: Gute Interviews geben: Tipps für TV und Radio.

 

Rollenspiel: Kurzes Interview (60 Min.)

Erklärt den Teilnehmenden, dass dies eine gute Übung vor echten Interviews ist. Sie kann als TV- oder als Radiointerview durchgeführt werden.

Im Idealfall wird das Interview von einem Profi geführt. Alternativ könnt ihr nach Fragen suchen, die in der Vergangenheit in echten Interviews über die Arbeit und Divestment-Kampagnen von 350.org gestellt wurden (siehe die Beispiele weiter unten).

Alle Anwesenden müssen nach vorn und sich interviewen lassen (in größeren Gruppen können mehrere „Interviewstationen” im Raum eingerichtet werden). Je nachdem, wie viel Zeit zur Verfügung steht, sollten die Kurzinterviews etwa 3 Minuten dauern.

Dann sehen sich alle die Aufnahmen an und geben einander Feedback (siehe die Übung oben).

Geht nach der Feedback-Runde auf wichtige Lernergebnisse und Rückmeldungen ein. Ermuntert die Teilnehmenden, weiterzuüben, auch zu Hause in ihren Gruppen und vor anstehenden Interviews/Aktionen. Schließt mit einer positiven Bemerkung, um Selbstvertrauen für künftige Interviews zu verbreiten.

(In großen Gruppen sollen sich die Leute mischen und sich jeweils über ein Lernergebnis aus der Einheit austauschen.)

 

Schlussrunde: Lernergebnisse (5 Min.)

In der Schlussrunde gehen alle nacheinander auf 2 Dinge ein, die sie aus dieser Lerneinheit mitnehmen.


 

Arbeitsblatt: Was zu beachten ist und Feedback zu Interviews

 

  • Haben sie ihre Kernbotschaft vermittelt?
  • Haben sie klar und deutlich und in kurzen Sätzen gesprochen?
  • Haben sie Pausen gemacht (hervorragendes Mittel, um die eigenen Worte wirken zu lassen und der Zuhörerschaft eine Möglichkeit zu geben, das Gesagte zu verarbeiten bzw. ihm zu folgen)?
  • War ihre Botschaft auf die Zielgruppe zugeschnitten? Glaubt ihr, die Zuhörerschaft konnte folgen/wurde überzeugt?
  • Haben sie konkrete Beispiele genannt? Haben sie Kampagnen-Jargon (vermeiden!) oder abstrakte oder vage Begriffe benutzt („gerechte Transformation” … „Bewegungsaufbau”).
  • Gab es Antworten, die inhaltlich gut oder schlecht waren?
  • Wie haben sie auf trickreiche/provozierende Fragen geantwortet?
    • Es ist sehr wichtig, ruhig und freundlich zu bleiben. Sind Reporter*innen unhöflich, dann fällt das nur auf sie selbst zurück. Der Zuhörerschaft entgeht das nicht.
    • Die Wiederholung negativer Fragen sollte vermieden werden (z. B. sollte man auf „Sie sind gescheitert” nicht mit „Wir sind nicht gescheitert” antworten und damit die Unterstellung wiederholen).
    • Haben sie von schwierigen oder weniger relevanten Fragen eine Brücke zu ihren Gesprächsthemen geschlagen? Also: Erst die Frage aufgreifen, die man nicht beantworten möchte und dann eine Brücke zu dem schlagen, worüber man eigentlich reden will (Kernbotschaften), zum Beispiel: „Das ist ein wichtiger Punkt, aber heute sind wir hier, um zu zeigen, dass …”
    • Haben sie Fragen richtiggestellt, die von bestimmten Prämissen ausgehen? Z. B. Nicht „wir alle” tragen die Schuld, sondern die Kohle-, Öl- und Gaskonzerne. Oder: Die Bekämpfung des Klimawandels ist mehr eine Frage des politischen Willens als ein technologisches Problem.
  • Körperhaltung und Körpersprache: Vermitteln sie Energie und Leidenschaft?
  • Persönlichkeit zeigen: Haben sie etwas von ihrer Persönlichkeit mit eingebracht (Energie, Lächeln, Leidenschaft, Charisma)?
  • Hände nicht fixieren: Manche Vortrags-Coaches empfehlen, die Hände zu fixieren, damit man nicht zu viel gestikuliert. Dies kann unseren Körper jedoch daran hindern, Energie abzulassen, die sich dann andere Ventile sucht (Augenzwinkern, Wippen usw.). Es ist besser, den Händen freies Spiel zu lassen (es sei denn, man stellt fest, dass man so heftig herumfuchtelt, dass es ablenkt oder die Gestik zu ausgreifend wird – Hände und Unterarme bis zum Ellbogen zu bewegen ist im Allgemeinen okay).
  • Stimme: Zu sanft? Unnatürlich hoch?
  • Sprechtempo und Klarheit: Zu schnell?
  • Augen: Halten sie Blickkontakt? Wegschauen kann dazu führen, dass man unsicher, nicht überzeugt oder nicht ernsthaft wirkt. Es hält einen auch davon ab, richtig auf die Presseleute und damit auf die Zuhörerschaft einzugehen.

 


Arbeitsblatt: Beispiele für Interviewfragen

 

Haltet euch so weit wie möglich an den Kontext der Person, die ihr interviewt (schneidet z. B. eure Fragen auf ihre Kampagne/Aktion zu).

 

  • Was tun Sie heute hier? [im Kontext einer Aktion]]
  • Warum fordern Sie von [Institution], zu [Forderung der Kampagne]?]?
  • Was haben Sie/hat Ihre Kampagne bis jetzt erreicht?/ Welches sind Ihre größten Erfolge?
  • Was ist der Klimawandel und was geht mich das an?
  • Warum ist der Klimawandel für Sie persönlich so wichtig?
  • Was ist 350.org?
  • Ihre Kampagne richtet sich gegen fossile Brennstoffe, aber in Wahrheit befriedigen die Kohle-, Öl- und Gaskonzerne doch nur unseren Energiebedarf.
  • Wir werden die fossilen Brennstoffe noch lange brauchen, um unseren Energiebedarf zu decken.

 

Divestment

  • Was ist Divestment?
  • Warum fordern Sie [Institution] auf, Investitionen aus fossilen Brennstoffen abzuziehen?
  • Wie hat [Institution] darauf reagiert?
  • Wie viel Geld hat [Institution] in fossile Brennstoffe investiert?
  • [[Institution] besitzt gar nicht so viele Anteile. Was ist die Absicht dahinter?
  • Wenn [Institution] ihre Anteile verkauft, dann kauft sie jemand anders.
  • Was hat die Divestment-Bewegung bislang erreicht?
  • [[Institution] muss eine gute Rendite hereinholen.
  • Wo sollte [Institution] ihr Geld stattdessen reinstecken?

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