Rollenspiel mit zwei parallelen Reihen

Die kürzeste Methode, ein Rollenspiel mit einer Gruppe durchzuführen, die einer komplexen Herausforderung gegenübersteht

Vorbereitung des Rollenspiels

  • Einbettung in einen Kontext (das Thema einführen). Wenn es z. B. um gewaltfreie Intervention geht, sage Folgendes: „Wir werden uns mit Möglichkeiten beschäftigen, wie man persönlich in einer gewaltsamen Situation intervenieren kann.“ Oder wenn es um Fundraising geht: „Wir werden Methoden ausprobieren, um Fundraising effektiver zu machen.“
  • Stelle die Teilnehmenden in zwei gegenüberstehende parallele Reihen auf. Das setzt sie augenblicklich in Bewegung. Da alle damit beschäftigt sind, ihre Stühle zurückzuschieben und herauszufinden, was mit „zwei parallelen Reihen“ gemeint ist, stehen sie der Aktivität weniger widerwillig gegenüber. Achte darauf, dass wir nicht von „Rollenspiel“ sprechen, weil dieser Begriff bei manchen Leuten eine negative Reaktion hervorruft. Stattdessen sprechen wir davon, „Möglichkeiten auszuloten“ oder „mögliche Entscheidungen auszuprobieren“.
  • Stelle sicher, dass beide Reihen gleich lang sind. Sobald die Reihen fertig sind, bitte die Teilnehmenden, mit der ihr gegenüberstehenden Person Kontakt aufzunehmen (z. B. durch Händeschütteln oder Zunicken). Durch diese Anweisung fühlen sich (a) die Teilnehmer*innen miteinander verbunden, und (b) wird sichergestellt, dass jede*r eine*n Partner*in hat.
  • Erkläre das Szenario. Eine Rolle übernehmen die „Aktivist*innen“, die eine neue Verhaltensweise (Fundraising, Deeskalation etc.) ausprobieren wollen. Die andere Person wird in eine andere Rolle schlüpfen, z. B. die einer Person, die um Geld gebeten wird oder die eines wütenden Gegendemonstranten.
  • Lege die Regeln des Rollenspiels fest. „Diese Übung funktioniert so: Ich gebe den Startschuss indem ich ‚Beginnt jetzt!‘ sage. Nach einer Weile sage ich dann ‚Stop!‘. Wir werden hier verschiedene Möglichkeiten sammeln: Seid deshalb kreativ und probiert ein paar Dinge aus, die ihr normalerweise nicht macht.“ Eventuell solltest du noch Regeln hinzufügen, z. B. kein Körperkontakt, nicht schlagen etc.
  • Gib den Teilnehmer*innen ein paar Minuten, um sich in die Rolle hineinzudenken. „Nehmt euch eine Minute Zeit, um euch in die Rolle hineinzudenken. Geht in euch und findet den Teil in euch, der manchmal verärgert ist, oder nur widerwillig Geld ausgibt etc. Nutzt diesen Teil für die Übung. Diejenigen, die intervenieren, überlegen sich, welches neue Verhalten sie ausprobieren möchten … BEGINNT JETZT!“

 

Das Rollenspiel durchführen

  • Beobachte das Rollenspiel und beende es, sobald die Motivation abnimmt. „STOP!“ Es ist in Ordnung, wenn die Teilnehmer*innen etwas Zeit brauchen, um dahin zurückzukehren, wo sie waren, denn diese Zeit ist ein sinnvoller Übergang. Lache mit ihnen. Den Perfektionist*innen, die sich Sorgen machen, dass sie es nicht „richtig“ gemacht haben, kann eine entspannte und lachende Moderation dabei helfen, sich von einer intensiven oder schwierigen Rolle zu befreien. (Das gilt für beide Seiten.)

Auswertung des Rollenspiels

Hier spart dieses Format Zeit. Wir beginnen sofort mit der Reflexion:

  • Bitte jene in der Rolle der „AKTIVIST*INNEN“, ihre Gefühle zu beschreiben. Diese Frage musst du wahrscheinlich mit Nachdruck stellen und sehr spezifisch sein. Du willst etwas über ihre Gefühle erfahren, nicht was sie gemacht haben oder ihre Selbstkritik hören. Unterstütze sie dabei, indem du ihnen Beispiele für Gefühle nennst, falls nötig. Gefühle deuten auf tiefe Motivationen hin und können mehr Bewusstsein für die von ihnen gewählte Verhaltensweise schaffen.
  • Erfrage die Optionen von den „NICHT-AKTIVIST*INNEN“. Frage sie, welche Optionen der Aktivist*innen funktioniert haben – auch wenn es nur ein bisschen funktioniert hat. Du unterstützt die Nicht-Aktivist*innen dabei, sowohl ihre eigenen inneren Reaktionen als auch das Verhalten ihrer Partner*innen zu erkennen. Bleib geduldig. Falls jemand etwas kommentiert, das nicht funktioniert hat, mach einfach weiter und sage: „Wir suchen nach etwas, das dein*e Partner*in gemacht hat, das funktionierte, wenn auch nur ein bisschen.“ Wenn du diesen Satz wiederholst und immer wieder neu formulierst, dann wirst du brauchbare Antworten erhalten.
  • Zusammenfassung: Fasse kurz ein paar Verhaltensweisen zusammen, die funktioniert haben, wie „stellte eine Frage, stellte Blickkontakt her, sprach leise, in einem anderen Fall…, sprach laut, drückte Empathie aus, überraschte dich durch Ablenkung“.

 

Wiederhole das Rollenspiel

  • Drehe die Rollen um: Verfahre genau wie beim ersten Mal und du wirst überrascht sein, wie die Leute nun in jedem Aspekt besser agieren. Sie werden sich mehr bemühen, sich in die Rolle hineinzudenken, sie werden kreativer und bewusster handeln.
  • Kündige an, dass du das Spiel mit vertauschten Rollen wiederholst. Stelle sicher zu betonen, dass es um das Ausloten von Optionen geht. Sage ihnen, dass es in Ordnung ist, Dinge zu wiederholen, aber auch, Neues auszuprobieren oder viele verschiedene Sachen zu versuchen. Danke denen, die jetzt eine andere Rolle spielen, im Vorfeld.

Beachte: Wenn du eine Fähigkeit wie „Deeskalation“ übst, denke an die Redewendung „Übung macht den Meister“. In realen Aktionsszenarien (zu denen Stress, Eile, unerwartete Konflikte usw. gehören) handeln Menschen oft nicht besonders rational. Je mehr sie vorher geübt haben, desto besser und wahrscheinlicher werden sie sich an das Geübte erinnern!

Auswertung: siehe oben

 

Letzter Schritt: Verallgemeinerung

Bitte die Teilnehmenden, sich so zu hinzusetzen, dass sie Richtung Tafel oder auf ein großes Blatt Papier an der Wand schauen. Beschrifte das Blatt Papier mit der Überschrift „Was hat funktioniert?“. Bitte sie, sich zu erinnern, was sie bei der Auswertung gesagt haben. Es aufzuschreiben hilft visuellen Lerntypen und erleichtert die Verallgemeinerung. Stelle mehr Fragen, wenn du willst, oder widersprich ihnen, z. B. „Hilft Blickkontakt wirklich bei jemandem, der wütend ist?“. Lasse Diskussionen zu, sodass die Teilnehmenden andere Beispiele aus ihrem Leben oder Anekdoten, die sie gehört haben, erzählen, denn das ist eine Art der Generalisierung. Falls du von deiner eigenen Intervention erzählen willst, ist das ein guter Zeitpunkt, sie einzubringen.

An dieser Stelle kann man gut eine übergeordnete Theorie einzuführen und das Erlernte mit den komplexeren Themen des Workshops in Zusammenhang bringen. 

Beachte: Dieses Format wird manchmal “schnell und schmutzig” genannt, weil die Moderation in der Auswertung NUR EINE SEITE nach ihren Gefühlen und DIE ANDERE SEITE nach wirksamen Verhaltensweisen bzw. Optionen fragt. Auch beim Rollentausch wird jeweils nur jeweils eine Seite befragt. Durch den schnellen Ablauf dieses Formats vermeidet man, sich lange Zeit auf eine einzige Sache zu konzentrieren.


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