Formen der Auflistung

Moderationswerkzeuge zur Anregung von Ideen

Dauer: 15-45 minuten Gruppengröße: 10-50 menschen

Ernten

Typische Verwendung: Gib Kleingruppen eine Aufgabe (wie „Was sind einige eurer Lieblingstaktiken für kreative direkte Aktionen?“ oder „Was wisst ihr darüber, wie Leute soziale Medien nutzen um bei Kampagnen erfolgreich zu sein?“). Bitte sie danach, daraus gezogene Lehren und Einsichten auf ein großes Blatt Papier oder eine Tafel zu schreiben, wobei du jede Kleingruppe nacheinander einen Punkt aufschreiben lässt, bis eine gute Liste zusammengekommen ist.

 

Den Erfolg von etwas maximieren bzw. minimieren

Diese spezifische Art der Auflistung wird verwendet, um neue Aspekte zu entdecken oder zu verstehen. Der*die Moderator*in fragt zunächst: „Was maximiert (erhöht) nach eurer Erfahrung den Erfolg…?“ (z. B. eurer Teamsitzungen, eurer Demos, eurer Spendendinner, eurer Vorstandssitzungen, eurer Treffen mit neuen Partner*innen, eures Lernprozesses).

Listet die Ideen auf und sprecht miteinander. Frage nach ein oder zwei Beispielen. Bitte z. B. all diejenigen die Hand zu heben, die eine Methode zur Maximierung des Erfolges gefunden haben. Frage nach überraschenden, neuen Ideen, die vielleicht nicht allen Teilnehmenden klar sind (sucht nach neuen Ideen).

Wenn du das Gefühl hast, dass die Gruppe wirklich versteht, worum es geht, dann ändere deine Frage: „Was minimiert (verringert) nach eurer Erfahrung den Erfolg von …?“. Lächle, versichere ihnen, dass sie ehrlich sein können. Erlaube ihnen, sich zu öffnen. Interagiere nach den ersten ein oder zwei Beispielen viel mit ihnen (jedoch nicht direkt am Anfang). Frage zunächst nach Beispielen und erst danach, wie sich das in diesem Workshop zeigen könnte.

Nach Fertigstellung dieser Liste hast du verschiedene Möglichkeiten. Es könnten Paare gebildet werden, um über die neuen Erkenntnisse zu sprechen (sie könnten sich z. B. gegenseitig fragen „Welche Unterstützung brauchst du?“). Oder sie finden sich in Kleingruppen zusammen, die sich verschiedene Punkte aus der Minimieren-Liste vornehmen und dazu eine Problemlösung erarbeiten, etc.

 

Ambivalenz-Diagramm

Unterstreiche, dass ein Thema oder eine Idee (wie „Diversität“, „Gewaltfreiheit“, „Koalitionsbildung“) wie alles sowohl positive als auch negative Seiten hat. Erkläre, dass ihr euch eine Minute Zeit nehmen werdet, um herauszufinden, wie beiden Seiten aussehen, bevor es weitergeht. Schreibe das Thema in die Mitte oben auf ein großes Blatt Papier und markiere eine Seite mit einem Pluszeichen (+) und die andere mit einem Minus (-). Ermutige die Teilnehmenden, Gedanken und Gefühlen zu teilen.

Stelle dich darauf ein, dass sowohl Minus- als auch Pluspunkte genannt werden und lobe beide Seiten. Die Herausforderung für den*die Moderator*in besteht hier darin, sicherzustellen, dass jede*r im Raum sich wohl genug fühlt, die Wahrheit zu sagen, was immer diese auch ist.

Nachdem ihr genug Punkte auf beiden Seiten aufgelistet habt, gibt es viele Optionen. Ihr könnt euch darauf einigen, den Workshop hier zu beenden, die Minusseite als Problemlösungsmaterial zu nutzen, usw. Die effektivste Anwendung dieser Methode besteht darin, die Gruppe zur Entscheidungsfindung zu zwingen, zum Beispiel durch Fragen wie „Wollen wir wirklich weiter versuchen zu lernen, wie man Bündnisse bildet, oder sollten wir jetzt, da wir die Risiken kennen, weitermachen und eine Aktion zivilen Ungehorsams planen?“.

 

Brainstorming

Viele der oben genannten Formen der Auflistung werden manchmal fälschlicherweise als Brainstorming bezeichnet. Brainstorming ist eine spezifische Listenform, bei der die Teilnehmenden Optionen – ohne Diskussion und ohne Widerspruch – finden. Ziel ist es, viele Ideen zu schaffen, sie wie durch einen „Sturm“ des Gehirns aufzuwirbeln, bei dem alles (egal wie wild oder scheinbar irrelevant) berücksichtigt wird. Alle Ideen werden auf dem Flipchart aufgelistet. Erst nach dem Brainstorming kehrt die Gruppe zur Liste zurück und beginnt, die Punkte zu bewerten und Entscheidungen oder Einschätzungen zu treffen.

 

Beachte, dass es kaum eine Liste gibt, die keine genauere Betrachtung verdient. Wenn du die Teilnehmer*innen bittest, die Liste als Ganze anzusehen, dann ist sie nicht nur eine Zusammenfassung von Erkenntnissen oder von „geernteten Ideen“ etc. Vielleicht liefern die Teilnehmer*innen zusätzliche Einblicke, bemerken sehr aufschlussreiche Lücken, oder entdecken Generalisierungen oder Themen. Eine Liste zu benutzen bedeutet, mit dem unbewussten UND dem bewussten Teil des Gruppenlebens zu arbeiten. Viel Spaß dabei!


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