Was Strategie bedeutet: die Decken-Übung

Bei dieser Methode mit Körperkontakt lernt man etwas über Strategie und Kampagnenarbeit. Sie ist leicht, einfach und effektiv.

Dauer: 20-40 minuten Gruppengröße: 10-30 leute

Lege eine Decke auf den Boden und bitte die Gruppe, sich darauf zu stellen. (Wähle die Deckengröße so, dass die Teilnehmer*innen leicht gedrängt darauf stehen können, ohne dass viel Platz zwischen ihnen bleibt. Wenn die Decke zu klein ist, wird diese Aktivität zu schwierig. Ist die Decke zu groß, könnt ihr versuchen, sie in der Mitte zu falten.)

Erkläre die Gruppenaufgabe: Die Gruppe muss die Decke umdrehen, ohne dass jemand von ihr herunter treten darf. Niemand darf die Decke verlassen, sich an eine Wand anlehnen oder irgendwelche anderen Hilfsmittel benutzen. (Aus Sicherheitsgründen ist es verboten, auf den Schultern einer anderen Person zu stehen.) Wenn jemand die Decke verlässt, muss die Gruppe von Neuem beginnen.

Sobald die Gruppe die Aufgabe erfolgreich beendet hat, hilfst du ihnen bei der Reflexion. Frage nach unmittelbaren Reaktionen oder Gefühlen. Richte die Aufmerksamkeit der Gruppe auf Fragen wie: Was war das Ziel? Welche konkreten Taktiken habt ihr benutzt? Was war die Strategie? Oder: Wie habt ihr Entscheidungen getroffen?

In diesem Fall wurde das Ziel – die Decke umzudrehen – von der*dem Trainer*in vorgegeben. Die Strategie war die Methode, die angewendet wurde, um das Ziel zu erreichen (z. B. die Decke zu drehen, dass alle sich auf eine Seite stellen und dann die Decke umdrehen etc.). Die Taktiken waren die konkreten Maßnahmen dafür, wie die Gruppe die Strategie umgesetzt hat.

Binde Definitionen oder Erklärungen ein, da sie hilfreich sein könnten:

  • Vision: Wie die Welt in unseren Augen sein sollte. Visionen sind große Bilder, sie sind transformativ, überzeugend und tiefgründig. Zum Beispiel: Wir stellen uns ein Kanada vor, in dem die Ersten Nationen das Recht haben, „nein“ zu sagen zu industrieller Aktivität auf ihrem Land.
  • Kampagnenziel: Ein konkretes Ergebnis, das ein weiterer Schritt hin zu unserer Vision ist. Zum Beispiel: Nicht erwünschtes Fällen von Bäumen durch Weyerhaeuser auf dem Territorium der Grassy Narrows First Nation stoppen.
  • Kampagnenstrategie: Unser Plan, wie wir vom Status Quo zu unserem Kampagnenziel gelangen wollen, auf eine Art und Weise, die unsere Visionen und Werte reflektiert. Zum Beispiel: Ein Plan für eine Reihe an Taktiken, um wirtschaftlich Druck auf Weyerhaeuser auszuüben, bis die Firma aufhört, Wälder abzuholzen.
  • Taktik: Eine Aktion, die unternommen wird, um unsere Strategie auszuführen. Zum Beispiel: Protest vor einem Laden, der Material von Weyerhaeuser kauft, um ihn dazu zu bringen, die Firma zu boykottieren.
    (Adaptierte Beispiele von Ruckus.org.)

Du kannst diese Punkte mit deinen eigenen Worten erläutern, mit Beispielen aus der Arbeit der Gruppe oder mit Themen, mit denen sie vertraut ist. Ermutige die Gruppe, diese Definitionen in ihrer eigenen Arbeit zu nutzen.

Beachte, dass du das Ziel dieser Aktivität leicht anpassen kannst. Du kannst dieses Instrument auch nutzen, um alle möglichen Dynamiken der Entscheidungsfindung, Gruppenleitung, Genderdynamiken usw. anzuregen. Auch wenn dieses Instrument oft zur Vermittlung von Strategien benutzt wird, kann es passieren, dass andere Dynamiken entstehen, die für die Gruppe wichtig sind. Bei einer Gruppe mit gemischten Geschlechtern zum Beispiel, bei der nur die Männer die Initiative beim Umdrehen der Decke ergreifen, könnte der*die Trainer*in die Gruppe ermutigen, diese Dynamik wahrzunehmen. Die Gruppe kann sich dann fragen, ob dies ein typisches Muster für sie ist, und entscheiden, ob sie ab sofort anders verfahren will. Hier sind zwei Beispiele für andere Dynamiken:

  • Gruppenleitung: Bitte die Teilnehmer*innen, darüber nachzudenken, was jede*r getan hat, um die Aufgabe zu erfüllen. Diskutiert die vielen verschiedenen Rollen bei der Gruppenleitung: Einen neuen Plan vorschlagen, einem Plan zustimmen und ihn anpassen, anderen Menschen helfen, bei der Stange zu bleiben, Ideen anregen, sicherstellen, dass niemand seine*ihre persönlichen Bedürfnisse aus dem Blick verliert, den Plan anderen Menschen mitteilen, usw. Welche dieser Gruppenleitungstypen werden in eurer Gesellschaft gefördert (oder vielleicht zwischen verschiedenen Geschlechtern)? Welche sind marginalisiert oder werden unsichtbar gemacht? Welche dieser Typen unterstützt eure Gruppe? Welche sind marginalisiert oder werden unsichtbar gemacht?

oder

  • Kommunikation: Bitte die Teilnehmer*innen, darüber nachzudenken, welche Art der Kommunikation notwendig war, um diese Aufgabe zu bewältigen. Was ist ihnen aufgefallen? Schaut euch die verschiedenen Arten und Weisen an, wie Leute miteinander kommuniziert haben: Sofort mit der „gesamten“ Gruppe sprechen, Untergruppen bilden, um bestimmte Probleme zu besprechen, mit den Menschen direkt neben sich kommunizieren usw. Welche Formen der Kommunikation liegen euch am nächsten? Welche Formen nutzt ihr bei der Kampagnenplanung? Welche könntet ihr stärker einbinden?

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